Charakter- oder Persönlichkeitsstörungen

1. Einführung

Jeder Mensch hat Charaktermerkmale, die sowohl durch Veranlagung wie durch die eigene Entwicklung in der Kindheit die Persönlichkeit prägen. Das Handeln einer erwachsenen Persönlichkeit verfolgt einen inneren Sinn, der ungünstige Bedingungen der Kindheit auszugleichen sucht. Es beruht auf unbewussten Motiven wie z. B. der Angst vor Verletzung, auf verborgenen Aggressionen oder sexuellen Wünschen. Diese Motive führen bei jedem zu Stärken und Schwächen der Ich-Struktur und machen den Charakter aus.

Eine schwache Ich-Struktur kann bei Bejahung einzelner der folgenden Aussagen vermutet werden:
  • Ich raste aus, wenn ich nicht bekomme, was ich haben will.
  • Ich kann starke Gefühle nicht aushalten.
  • Ich kann öfters einen inneren Impuls nicht für mich behalten, auch wenn es unzweckmäßig oder unmoralisch ist.
  • Ich verliere das Gefühl der Nähe eines geliebten Menschen, wenn dieser nicht unmittelbar für mich erreichbar ist.
  • Ich kann mich nicht sozial integrieren.
  • Ich gerate immer in Situationen, die mich an der Erfüllung meiner Wünsche hindern.
  • Mich quälen innere Leere, Fühllosigkeit und das Versagen anderer.
  • Ich hasse mich. Ich bin voller Mängel.
Ist diese Ich-Struktur unzureichend, entwickeln sich frustrierende Beziehungen zu Partnern, Freunden und Kollegen. Es kommt zur Vereinsamung. Depression, Sucht. Seelisch verursachte Körperbeschwerden entstehen. Nicht selten führen erst diese Folgen zum Psychotherapeuten. Das grundlegende Problem ist dem Betreffenden in der Regel nicht klar. Mehr als bei anderen seelischen Erkrankungen wird die Bezeichnung als Charakter- oder Persönlichkeitsstörung abwertend empfunden. Mit den besonderen Charaktermerkmalen sind aber auch spezielle Begabungen verbunden, die sich häufig kompensatorisch entwickelt haben.
 
2. Selbst-Beschreibungen - 3. Behandlungskonzept